Gesund leben

Hormonelle Verhütung

Antibabypille

Die Pille (Antibabypille, Ovulationshemmer) ist in Deutschland das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel, 38 % der Frauen im Alter zwischen 14 und 44 Jahren benutzen es. Obwohl es verschiedene Pillensorten gibt, werden sie meist nur als die „Pille" bezeichnet. Jede „Pille" besteht aus einer Kombination der künstlich hergestellten Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen. Eine Ausnahme ist die Minipille, die ausschließlich Gestagen enthält. Durch die regelmäßige Hormoneinnahme wird dem Körper eine Hormonsituation wie nach dem Eisprung vorgetäuscht und dieser so verhindert. Als Verhütungsmittel ist die „Pille" sehr sicher. Geeignet für alle, insbesondere junge Frauen mit unregelmäßigem Zyklus und regelmäßigem Geschlechtsverkehr. Häufig wird die „Pille" aber auch aus medizinischen Gründen verschrieben, z. B. bei hormonell bedingten Hautproblemen wie einigen Aknearten, beim Prämenstruellen Syndrom, bei Zyklusstörungen und Störungen der Monatsblutung. Anderseits gibt es auch Ausschlusskriterien, bei denen von der „Pille" abzuraten ist. Die „Pille" wirkt ab dem ersten Einnahmetag und schützt auch während der einwöchigen Pillenpause.

Durchführung. Bevor der Frauenarzt die „Pille" verschreibt, wird er die Frau gynäkologisch untersuchen, sie nach ihrem Zyklus befragen und die eventuell bei ihr vorhandenen Risikofaktoren bzw. Ausschlusskriterien besprechen. Ziel dabei ist, das für die Frau verträglichste Präparat herauszufinden. Spricht nichts gegen die Einnahme der „Pille", verordnet der Frauenarzt in der Regel zunächst ein Präparat für drei Monate und danach größere Packungen für jeweils sechs Monate. Auch wenn die Frau gesund ist, muss sich der Körper erst an die „Pille" gewöhnen. Manche Beschwerden, wie leichte Kopfschmerzen oder Zwischenblutungen, sind in den ersten Monaten durchaus normal. Kommt es zu unangenehmeren Begleiterscheinungen, sollte der Frauenarzt aufgesucht werden.

Bei Mädchen unter 14 Jahren benötigt der Frauenarzt zum Verschreiben der „Pille" das schriftliche Einverständnis eines Elternteils, zwischen 14 und 16 Jahren wird er abwägen, ob er die „Pille" ohne Einverständnis verschreibt. Ab 16 braucht man keine Einverständniserklärung mehr.

Wichtig ist, die „Pille" immer etwa zur gleichen Zeit, z. B. abends vor dem Einschlafen einzunehmen. Eine vergessene „Pille" kann normalerweise innerhalb von 12 Stunden problemlos nachgeholt werden, bei mehr als 12 Stunden schützt sie nicht mehr zuverlässig, und bis zur nächsten Monatsblutung muss zusätzlich verhütet werden (z. B. mit Kondomen). Um Zwischenblutungen zu vermeiden, sollte die Packung auch bei einer vergessenen „Pille" zu Ende eingenommen werden. Nach der letzten Pilleneinnahme folgt eine Woche, während der die Frau ihre Monatsblutung (Abbruchblutung) bekommt. Danach beginnt man mit einer neuen Packung, auf die nach 21 Tagen die nächste Unterbrechung folgt. Die „Pille" lässt sich auch zur Vorverlegung oder und Verschiebung der Menstruation nutzen.

Die verschiedenen Präparate – es gibt über 100 – lassen sich in Gruppen einteilen:

  • Einstufige Einphasenpräparate enthalten in jeder Tablette die Hormone Östrogen und Gestagen, deren Dosierung während des Zyklus gleich bleibt (z. B. Diane 35®, Belara®, Valette®).
  • Ziel von mehrstufigen Einphasenpräparaten ist, die Hormondosis dem natürlichen Zyklus anzupassen; dies sind heute die gängigsten Präparate. Vor allem solche mit einem – im Vergleich zu Vorläuferpräparaten – niedriger dosierten und gut verträglichen Östrogenanteil von nur ~ 20 µg (0,02 mg), von manchen Herstellern auch Mikropillen genannt, werden heute von den Frauenärzten empfohlen. Bei zweistufigen Einphasenpräparaten ist die Gestagendosis in der ersten Zyklushälfte niedriger und in der zweiten etwas höher (z. B. Sequilar®). Bei dreistufigen Einphasenpräparaten variiert die Östrogen-Hormondosis in drei Stufen (z. B. Triquilar®).
  • Zweiphasenpräparate enthalten in der ersten Zyklushälfte nur Östrogen und in der zweiten zusätzlich Gestagen (z. B. Ovanon®, Oviol®).

In der Praxis unterscheidet der Arzt weiter östrogenbetonte Pillen (z. B. Oviol®) von gestagenbetonten (z. B. Marvelon®). Diese Unterscheidung ist vor allem bei auftretenden Nebenwirkungen wichtig: Können diese vornehmlich der Östrogen- oder der Gestagenkomponente des Pillenpräparats zugeordnet werden, gelingt oft eine Besserung der Beschwerden, indem auf ein Präparat mit anderer Hormonbetonung gewechselt wird.

Sicherheit. Mit einem Pearl-Index von 0,5 gehört die „Pille" zu den sichersten Verhütungsmitteln. Aber auch hier gibt es Ausnahmefälle: Bei Erbrechen oder Durchfall schützt die „Pille" nicht mehr ausreichend und es muss zusätzlich verhütet werden.

Ausschlusskriterien (Kontraindikationen). Bei vielen Vorerkrankungen birgt die Einnahme der „Pille" wesentlich größere Risiken. Besonders drohen schwere Erkrankungen durch Gefäßverschlüsse, also Thrombosen, Embolien und sogar Schlaganfälle. Deshalb sollte von der „Pille" Abstand nehmen, wer:

  • Raucher und über 35 ist
  • Stark übergewichtig ist (Body Mass Index über 30)
  • Bluthochdruck hat (> 160/95 mmHg)
  • Schon eine tiefe Beinvenenthrombose, Embolie, Schlaganfall oder Herzinfarkt hatte
  • Typ-1- oder fortgeschrittener Typ-2-Diabetiker ist
  • Eine Lebererkrankung oder einen östrogenabhängigen Tumor hat.

Risiken bei langjähriger Kontrazeption. Abgesehen von der Gefahr, eine Thrombose oder Embolie zu entwickeln, birgt die langjährige Einnahme oraler hormoneller Verhütungsmittel keine Gesundheitsrisiken. Auch für ein erhöhtes Krebsrisiko konnte eine seit 1968 in England laufende Studie keine Anhaltspunkte finden. Weder wiesen die Forscher ein größeres Brustkrebsrisiko nach, noch fanden sie einen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und der Entstehung von Karzinomen der Lunge, des Magen-Darm-Trakts, der Schilddrüse oder der Haut. Für Krebsarten wie Eierstock- und Endometriumkarzinome erkannten sie sogar schützende Effekte. Lediglich Frauen, die mit dem humanen Papillom-Virus infiziert waren und mehr als fünf Jahre die Pille eingenommen hatten, wiesen ein dreifach erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs auf. Dabei ist aber bisher unklar, ob es sich um einen ursächlichen oder fördernden Effekt handelt.

Viele Frauen haben das Gefühl, dass sie durch die „Pille“ zunehmen. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht bewiesen. Manche Frauen berichten sogar von einer Gewichtsabnahme während der Pilleneinnahme.

Wechselwirkung mit Medikamenten. Die Hormone der „Pille" werden in der Leber abgebaut – wie viele andere Medikamente auch. Einige Medikamente wie z. B. Antiepileptika, Psychopharmaka und einige länger eingenommene Antibiotika kurbeln den Leberstoffwechsel an, so dass die „Pille" schneller als normal abgebaut wird und ihre Wirkung damit nachlässt. Unregelmäßige Schmierblutungen können ein Zeichen für die herabgesetzte Wirkung sein.

Viele Pillenhersteller weisen auch daraufhin, dass die gleichzeitige Einnahme von Johanniskrautpräparaten die Wirkung der „Pille" vermindern kann. Studienergebnisse ergaben jedoch, dass diese Wirkminderung nur unwesentlich ist.

Absetzen der „Pille". Wird die „Pille" abgesetzt, besteht ab sofort kein Verhütungsschutz mehr. Frauen reagieren sehr unterschiedlich auf das Absetzen der „Pille". Bei manchen erfolgt der nächste Eisprung unmittelbar danach, bei vielen Frauen bleibt er aber für einige Monate aus, was bei bestehendem Kinderwunsch häufig Ängste auslöst, obwohl die „Pille" nach allem, was internationale Studien ergeben haben, die Fruchtbarkeit nach Absetzen nicht beeinträchtigt. Ein häufiges Absetzen und Wiederanfangen der „Pille" sollte trotzdem vermieden werden, denn Pillenpausen setzen den Organismus wegen der hormonellen „Wechselbäder" einem sinnlosen Stress aus.

In Deutschland ist die „Pille" verschreibungspflichtig: Gegen Rezept sind verschiedene Pillenpräparate in allen Apotheken erhältlich. Bei Frauen unter 18 Jahren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, Frauen zwischen 18 und 20 zahlen nur die Rezeptgebühr. Ab 20 müssen die Kosten selbst getragen werden – außer bei Verordnung aus medizinischen Gründen (z. B. gegen Akne) – dann zahlt in der Regel die Kasse.

Dreimonatsspritze

Die Dreimonatsspritze wird alle drei Monate vom Frauenarzt in den Gesäßmuskel gespritzt, um ein Gestagen-Hormondepot (Depotgestagene) aufzubauen. Aus diesem werden kontinuierlich geringe Hormonmengen ins Blut abgegeben, wodurch für drei Monate ein dauerhafter Empfängnisschutz gewährleistet ist. Nachteil der Dreimonatsspritze ist, dass sie, im Gegensatz zur „Pille" und Minipille bei Unverträglichkeit nicht sofort abgesetzt werden kann. Deshalb sowie aufgrund der ausgeprägten Nebenwirkungen ist die Dreimonatsspritze nur für Frauen geeignet, die andere Verhütungsmethoden nicht vertragen und/oder bei denen die regelmäßige Einnahme der „Pille" schwierig, eine dauerhafte Verhütung aber gewünscht ist, wie z. B. bei sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten (Schichtarbeit, Flugbegleiterinnen), bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, aber auch bei Drogen- oder Alkoholabhängigkeit sowie geistiger Behinderung.

Nach einer Schwangerschaft kann frühestens sechs Wochen nach der Entbindung mit der Dreimonatsspritze verhütet werden, da sonst schwere und verlängerte Blutungen drohen.

Durchführung. Die erste Spritze gibt der Frauenarzt während der ersten fünf Tage nach Menstruationsbeginn und wird dies in Abständen von ~ 90 Tagen regelmäßig wiederholen.

Nebenwirkungen. Im Vergleich zur heutzutage niedrig dosierten Minipille ist die Dreimonatsspritze ein Hormonhammer. Bei vielen Frauen kommt es anfänglich zu Zwischenblutungen und langfristig bleibt bei der Mehrzahl der Frauen die Monatsblutung aus. Nach der Behandlung dauert es 4–8 Monate, bis sich wieder ein regelmäßiger Zyklus einstellt. Bei jüngeren Frauen kann die Dreimonatsspritze zur Verminderung der Knochendichte (Osteoporose) führen und ist deshalb nur in Ausnahmefällen anzuwenden. Zu den weiteren Nebenwirkungen zählen starke Gewichtszunahme, Galaktorrhoe, Libidoverlust, Blähungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Verstimmungen. Bei entsprechender Veranlagung kann Akne auftreten (oder schlimmer werden).

Sicherheit. Mit einem Pearl-Index von 1 ist die Dreimonatsspritze sicher.

Frauen unter 20 Jahren werden die Kosten von der Krankenkasse erstattet.

Hormonelle Verhütung - was ist das?

Hormonelle Verhütung (Hormonelle Kontrazeption, Ovulationshemmer) ist der Sammelbegriff für Verhütungsmittel, die durch künstlich hergestellte Östrogene und Gestagene den Zyklus der Frau beeinflussen und den Eisprung (Ovulation) verhindern. Die Hormone werden in Form von Pillen eingenommen oder lokal in den Körper abgegeben.

Zu den hormonellen Verhütungsmitteln zählen

  • „Pille",
  • Minipille,
  • Verhütungsring,
  • Dreimonatsspritze,
  • Hormonspirale,
  • das Verhütungsstäbchen Implanon®.

Neben „Pille", Minipille und Verhütungsring, die man jeden Monat neu einnehmen oder einsetzen muss, gibt es die hormonellen Langzeitverhütungsmittel Dreimonatsspritze, Hormonspirale und Implanon®, die über einen Zeitraum von drei Monaten bis zu mehreren Jahren wirken und auf reiner Gestagenbasis vor einer Schwangerschaft schützen. 

Hormonspirale

Die Hormonspirale (Intrauterinpessar, IUP) ist eine in Deutschland seit 1997 zugelassene Spirale mit Gestagen abgebender Kunststoffmembran. Die Wirkung der Hormonspirale beruht auf der gleichmäßigen Freisetzung geringer Mengen Gestagens direkt in die Gebärmutterhöhle: Dadurch wird der Gebärmutterhalsschleim verfestigt und den Spermien das Eindringen erschwert; zudem baut sich die Gebärmutterschleimhaut nur wenig auf, so dass ein Einnisten der befruchteten Eizelle nicht möglich ist. Der Eisprung wird, anders als bei der „Pille", nicht unterdrückt. Die im Blut gemessenen Hormonkonzentrationen sind 20- bis 100-mal geringer als bei der „Pille", für eine sichere Empfängnisverhütung aber ausreichend. Geeignet insbesondere für Frauen, die schon Kinder geboren haben und sich eine sichere Verhütung für mehrere Jahre wünschen sowie bei Östrogenunverträglichkeit (z. B. Thromboseneigung). Da der Verhütungsschutz mit Entfernung der Spirale rückgängig zu machen ist und sich der Zyklus innerhalb kurzer Zeit wieder normalisiert, stellt sie heute eine Alternative zur Sterilisation dar.

Auch für junge Frauen (die noch keine Kinder geboren haben) ist seit neuestem eine Mini Hormon-Spirale erhältlich. Jaydess (Handelsname) setzt über 3 Jahre hinweg minimale Mengen an Levonorgestrel (Gestagen) frei. Sie ist damit die Hormonspirale mit der niedrigsten Hormonkonzentration auf dem Markt.

Der Verhütungsschutz beginnt mit dem Einsetzen der Spirale und besteht bis zu fünf Jahren.Bei der Mini-Spirale für junge Frauen ist dieser Zeitraum auf 3 Jahre verkürzt.

Durchführung. Vor dem Einlegen der Spirale ist eine gynäkologische Untersuchung mit Abstrich vom Muttermund nötig. In der Regel wird die Hormonspirale vom Frauenarzt während den ersten Menstruationstage eingelegt, da der Gebärmutterhalskanal zu dem Zeitpunkt am weitesten ist. Mit Hilfe einer Einführhülse wird die Spirale durch die Scheide in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Die Hülse ist dicker als bei einer Kupferspirale, das Einführen deswegen schwieriger. Beim Herausziehen der Hülse entfalten sich die Plastikarme der Spirale, wodurch sie sich in der Gebärmutterhöhle festsetzt. Das Einsetzen kann schmerzhaft sein. Bei manchen Frauen treten unmittelbar nach dem Einlegen menstruationsähnliche Beschwerden auf, die aber nach einiger Zeit wieder abklingen. Der Sitz der Spirale wird nach dem Einsetzen per Ultraschall kontrolliert.

Ob die Spirale noch vorhanden ist, kann die Frau aber auch selbst überprüfen, denn am Ende der Spirale befindet sich wie bei der Kupferspirale ein Faden, der etwas in die Scheide hineinragt. Im Notfall kann die Frau mit einem Zug daran die Spirale entfernen.

Begleiterscheinungen. In den ersten Monaten treten häufig Schmierblutungen auf. Nachfolgend werden die Monatsblutungen jedoch insgesamt schwächer und kürzer. Etwa 25 % der Frauen haben ein Jahr nach dem Einlegen gar keine Monatsblutungen mehr. Unterleibs-, Rücken- oder Kopfschmerzen, Brustspannen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit oder Akne können auftreten, sind aufgrund der geringen Hormondosis seltener als bei der „Pille". Gelegentlich kommt es zur Bildung von Eierstockzysten und in etwa 3,5 % der Fälle verrutscht die Spirale oder wird ausgestoßen, was sich durch Unterleibsschmerzen bemerkbar macht. Bei späteren Schwangerschaften kommt es vermehrt zu Eileiterschwangerschaften.

Sicherheit. Mit einem Pearl-Index von ~ 0,2 zählt die Hormonspirale zu den sehr sicheren Verhütungsmethoden.

Kosten für die Spirale und das Einsetzen variieren je nach Frauenarzt. Weitere Ultraschallkontrollen werden alle sechs Monate empfohlen, um den Sitz der Spirale zu überprüfen. Auch die Kosten hierfür sind von Frauenarzt zu Frauenarzt unterschiedlich.

Implanon®

Implanon® (Verhütungsstäbchen, Hormon-, Verhütungsimplantat) ist ein in Deutschland seit 2000 zugelassenes, unter die Haut implantierbares Kunststoffstäbchen mit kontinuierlicher Hormonabgabe in den Körper. 2010 kam der Implanon-Nachfolger Implanon NXT® auf den deutschen Markt. Der 4 cm lange und 2 mm breite Kunststoffkörper wird an der Innenseite des weniger beanspruchten Oberarms unter die Haut implantiert. Er enthält das reine Gestagenpräparat Etonogestrel und ist in der Verhütungsweise der Minipille vergleichbar. Alle drei Jahre muss das Implantat ausgewechselt werden. Obwohl bequem in der Anwendung, kann Implanon® aufgrund seiner Nebenwirkungen nicht empfohlen werden.

Durchführung. Das Einsetzen des Stäbchens erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung zwischen dem ersten und fünften Zyklustag. Mit einer Einführhülse wird das Stäbchen direkt unter die Haut an der Innenseite des Oberarms eingesetzt (implantiert). Um Infektionen und Blutergüsse zu vermeiden, legt man anschließend einen Druckverbund an. Der Verhütungsschutz wirkt sofort. Spätestens nach drei Jahren muss das Stäbchen mit einem kleinen Schnitt von 2–3 mm entfernt werden; eine Entfernung bei Unverträglichkeit ist aber jederzeit möglich. Es wird dringend empfohlen, dass nur Ärzte Implanon NXT® einlegen und entfernen, die ein Training zur Anwendung des Implanon NXT® Applikators und den Techniken der Einlage und der Entfernung des Implantats absolviert haben. Das Implantat sollte von Anwenderin und Arzt gut zu ertasten sein.

Wirkung. Nach der Implantation werden täglich kleine Gestagenmengen ins Blut abgegeben. Die Wirkungsweise entspricht der der Minipille, die dem Körper ebenfalls kontinuierlich Gestagen zuführt. Sicherheit und Wirksamkeit sind für Frauen zwischen 18 und 40 Jahren belegt. Bei Übergewicht sollte das Implantat unter Umständen früher ersetzt werden.

Nebenwirkungen. Über 50 % der Frauen beklagen eine Verstärkung der Menstruationsbeschwerden, bei 20 % der Anwenderinnen kommt es zum kompletten Ausbleiben der Periode. Aber auch unregelmäßige oder verlängerte Blutungen treten auf. Ferner kann es zu Akne, Brustspannen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Haarausfall und Kopfschmerzen kommen.

Bei der Einlage und der Entfernung von Implanon NXT® sind vorübergehende Schmerzen, Schwellungen, Blutergüsse und Juckreiz an der betroffenen Körperstelle möglich – in selten Fällen eine Infektion, eine Narbe, ein Abszess oder lokale Taubheitsgefühle. Das Implantat kann in Einzelfällen ausgestoßen werden.

Bei falscher Einlage kann der Empfängnisschutz nicht gewährleistet werden. Durch starke Krafteinwirkung oder falsche Einlage sind Wanderungen des Implantats in Gefäße oder den Brustkorb möglich. Jedes nicht im Arm tastbare Implantat sollte mithilfe bildgebender Verfahren lokalisiert und ggf. chirurgisch entfernt werden. Bricht oder verbiegt sich das Implantat, sind keine Funktionseinschränkungen des Implantats zu erwarten.

Sicherheit. Studien ergaben einen Pearl-Index von unter 0,1.

Für Frauen unter 20 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten, ab 18 muss allerdings eine Zuzahlung geleistet werden.

Minipille

Die Minipille enthält im Gegensatz zur normalen „Pille" ausschließlich ein niedrig dosiertes Gestagen wie z. B. Levonorgestrel und kein Östrogen. Die Präparate enthielten ursprünglich sehr niedrige Dosierungen an Gestagen – daher der Name „Minipille“. Inzwischen sind jedoch auch höher dosierte Präparate auf dem Markt.

Niedrig dosierte Gestagen-Präparate verhindern den Eisprung in der Regel nicht: Sie verfestigen nur den Gebärmutterhalsschleim und hemmen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, so dass sich kein Ei einnisten kann. Sie wirken deshalb weniger sicher wie die normale „Pille". Um trotzdem zuverlässig zu schützen, müssen niedrig dosierte Präparate deshalb zuverlässig in einem engen Zeitfenster von maximal 2 Stunden eingenommen werden.
Hoch dosierte Gestagen-Präparate wirken auf gleiche Weise wie die normale „Pille", hemmen also ebenfalls den Eisprung. Eine vergessene Einnahme kann innerhalb von zwölf Stunden nachgeholt werden.

Die Einnahme der Minipille beginnt wie bei der „Pille" am ersten Zyklustag, die empfängnisverhütende Wirkung der Minipille setzt allerdings erst nach 14 Tagen ein. Und anders als die „Pille" wird die Minipille ohne Unterbrechung eingenommen. Häufigste Nebenwirkungen sind Zwischenblutungen. Bei den hochdosierten Varianten bleibt die Regelblutung dagegen häufig völlig aus.

Bei reinen Gestagen-Präparaten ist das Risiko für Thrombosen niedriger als bei den kombinierten Östrogen-Gestagen-Pillen. Sie eignen sich deshalb vor allem für Frauen, die kein Östrogen vertragen oder ein erhöhtes Thromboserisiko aufweisen. Dies besteht etwa bei Migräne mit Aura, Thrombosen in der Vergangenheit, Hypertonie, erhöhten Blutfettwerten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Raucherinnen und adipöse Frauen über 35 Jahren.
Auch während der Stillzeit gilt die Minipille als Mittel der Wahl. Denn die niedrig dosierten Gestagene beeinflussen die Milchmenge und -zusammensetzung nicht.

Sicherheit. Mit einem Pearl-Index von 1–2 sind niedrig dosierte Gestagen-Präparate deutlich weniger zuverlässig als die „Pille". Hoch dosierte Gestagen-Präparate haben dagegen einen nur geringfügig niedrigeren Pearl-Index als die herkömmliche Pille. 

Verhütungsring

Der Verhütungsring (Vaginalring, Hormonring) ist ein seit 2003 in Deutschland zugelassener Kunststoffring, der eine niedrig dosierte Östrogen-Gestagen-Kombination enthält und wie ein Tampon in die Scheide eingeführt wird, wo er kontinuierlich Hormone freisetzt. Nach 21 Tagen wird der Verhütungsring entfernt und es folgt eine siebentägige Pause, in der normalerweise die Regelblutung einsetzt. Danach wird ein neuer Verhütungsring verwendet. Geeignet für Frauen, die kontinuierlich und bequem verhüten wollen, mit der regelmäßigen Einnahme der „Pille" aber Schwierigkeiten haben.

Durchführung. Frauen können den Verhütungsring selbst einsetzen und entfernen. Erstanwenderinnen und Frauen, die noch nicht hormonell verhütet haben, führen den Ring zwischen dem ersten und fünften Menstruationstag in die Scheide ein und schieben ihn möglichst weit nach oben; bei richtiger Lage sollte er nicht spürbar sein. Während der ersten sieben Tage sollte zusätzlich verhütet werden, z. B. mit Kondomen. Frauen, die vorher mit reinen Gestagenmitteln (Minipille, Dreimonatspritze, Implanon®) verhütet haben, können ohne Pause direkt zum Verhütungsring wechseln. Wer von der „Pille" zum Verhütungsring wechselt, kann den Ring am achten Tag nach der letzten Pilleneinnahme einführen; eine zusätzliche Verhütung ist dann nicht erforderlich.

Zum Entfernen fasst die Frau das untere Ende des Rings und zieht ihn heraus. Die nachfolgenden Ringe sollten immer am gleichen Wochentag und etwa zur gleichen Uhrzeit eingesetzt und heraus genommen werden.

Wirkung. Nebenwirkungen und Sicherheit des Verhütungsrings sind mit denen der „Pille” vergleichbar; ein Vorteil ist, dass die Hormone über die Scheidenschleimhaut ins Blut gelangen und der Empfängnisschutz so auch bei Magenverstimmungen mit Erbrechen oder Durchfall anhält. Bei der Einnahme von Antibiotika, Antiepileptika oder Psychopharmaka ist der Verhütungsschutz wie bei der „Pille" allerdings vermindert.

Sicherheit. Entspricht mit einem Pearl-Index von 0,9 nicht ganz dem Sicherheitsniveau der „Pille".

Der Vaginalring ist rezeptpflichtig und in Apotheken erhältlich.